Es war lange geplant, gestern war es dann endlich soweit. Der Eschweger Bürgermeisterkandidat Jochen Grüning (Freie Wähler) und ich trafen uns zum Interview. Wir kennen uns bereits seit Jahren, insbesondere durch unseren beruflichen Background zum Thema “Licht” und mehr noch, verbindet uns der regionale Gedanke sowie die Erkenntnis der Notwendigkeit von Netzwerken.
Jochen Grüning, geb. 19.07.63, ist verheiratet, hat 2 Kinder und einen Enkel. Als Elektromeister war er viele Jahre Unternehmer und ist zudem Lichttechniker.
Dadurch, dass wir uns seitens des Netzwerk Nordhessen unmissverständlich zur Demokratie bekennen, ist das politische Spektrum in unserem Gemeinschaft breit gestreut. Ob CDU, SPD, GRÜNE, LINKE, VOLT, DIE PARTEI oder FDP, spielt dabei keine Rolle. Maßgeblich ist für uns das Grundgesetz. Und natürlich die Brandmauer, die im Netzwerk Nordhessen niemals fallen wird!
Jochen Grüning ist bereits der zweite Bürgermeisterkandidat aus unseren Reihen und erhält natürlich unsere Unterstützung, auch wenn ich persönlich mit einem Politclown wie Hubert Aiwanger (oder war das der Name seines Bruders?) gar nichts anfangen kann. Aber lassen wir Jochen Grüning selbst erzählen wofür er steht, welchen Fußballclub er favorisiert, welche Filme oder Musik…
Netzwerk Nordhessen: Hallo Jochen, wir kennen uns schon viele Jahre aufgrund unserer unternehmerischen Tätigkeit rund um das Thema Licht. Du bist sicherlich einer der größten Experten bei dieser Thematik… Ich weiß, dass du schon immer politisch engagiert warst. Aber wie kommt es, dass du nun die Herausforderung annimmst und Bürgermeister in Eschwege werden willst?
Jochen Grüning: Als der jetzige Bürgermeister zurückgetreten ist, wurde ich von einige Bekannten angesprochen, ob ich es nicht machen wollte. Nach kurzer Überlegung und Rücksprache mit der Familie, habe ich mich dazu entschlossen.
Netzwerk Nordhessen: Mit welcher Motivation?
Jochen Grüning: Ich war mit der Entwicklung unserer Stadt unzufrieden. Mit dem was wir z.B. mit dem Werratalsee, der Problematik rund um die innerstädtischen Leerstände und einigen anderen Themen erreicht hatten.
Netzwerk Nordhessen: Wann genau hast du den Entschluss gefasst, als Bürgermeisterkandidat anzutreten?
Jochen Grüning: Am Johannisfest 2025 wurde ich darauf angesprochen, ob ich mir dieses Amt vorstellen kann. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann dazu entschieden. Ausschlaggebend war auch, dass mir von so vielen Bürger/innen und Unternehmer/innen spontan Unterstützung zugesagt wurde.
Netzwerk Nordhessen: Ich weiß, dass ein Bürgermeisterwahlkampf nicht nur mit einem großen Zeitaufwand verbunden ist, sondern auch mit immensen Kosten…
Jochen Grüning: Ich arbeite von früh bis spät an meiner Kandidatur, es ist beinahe ein Full-Time-Job. Glücklicherweise konnte ich mich mit einem Arbeitgeber auf eine verminderte Arbeitszeit einigen. Ich bin natürlich froh und dankbar, ein gutes Team hinter mir zu haben.
Und ja, ein Wahlkampf ist teuer. Wir haben nicht die Mittel unserer Mitbewerber und haben versucht, uns auf das Nötigste zu beschränken. Hinzu kommt, dass wir auch keine riesigen Müllberge mit Wahlwerbung hinterlassen wollten.
Netzwerk Nordhessen: Du setzt dich von jeher glaubhaft für regionales Handeln ein. Ist dies deine Motivation als Stadtoberhaupt womöglich noch mehr bewegen zu können?
Jochen Grüning: Ja, auf jeden Fall. Als zukünftiger Bürgermeister möchte ich den „Tu’s hier“ Gedanken – global denken, regional handeln weiter vorantreiben. Dies ist aus meiner Sicht in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Netzwerk Nordhessen: Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?
Jochen Grüning: Ja. Ich möchte z.B. unsere Markthalle auch den Endverbrauchern, also den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich machen.
Netzwerk Nordhessen: Eine Herausforderung vor der alle Kommunen stehen, ist der innerstädtische Leerstand. Dies liegt u.a. an der steigenden Zahl der Online Käufer. Was tun? Gibt es unter einem Bürgermeister Jochen Grüning Konzepte für die Stadtentwicklung?
Jochen Grüning: Dazu habe ich ein 22. Punkte umfassendes Leerstandskonzept entwickelt. Der innerstädtische Handel muss sich auf den Stadtkern konzentrieren. Nicht mehr vermietbare Geschäfte können ggf. zu barrierefreien Wohnraum umfunktioniert werden.
Die Kombination zwischen Einkaufen, Essen und Trinken sowie Wohnen in der Stadt muss verstärkt werden. Die Innenstadt muss zum Erlebnisraum werden, in der sich auch Dienstleister ansiedeln. Dies bedeutet auch, dass Mieten in manchen Fällen ggf. subventioniert werden müssen. Oder auch bei tragfähigen Konzepten Hilfestellung bei der Beantragung von Fördermitteln geleistet wird. Die Beseitigung des Leerstandes ist Chefsache. Ich bin jetzt schon aktiv und kann erste Erfolge vorweisen.
Netzwerk Nordhessen: So bekannt und engagiert wie du in Eschwege bist, räumen dir einige Beobachter gute Siegchancen bei der Wahl ein. Zunächst heißt es aber erstmal die Stichwahl zu erreichen. Gegner können Sozialdemokraten, Christdemokraten oder Grüne sein. Wer wäre dir als Gegner strategisch in einer Stichwahl am liebsten?
Jochen Grüning: Es ist mir egal. Ich stelle mich jeder Herausforderung und bin sicher, dass die Bürger/innen zum Wohle Eschweges entscheiden. Auf jeden Fall bringe ich die größte Berufs- und Lebenserfahrung ein.
Netzwerk Nordhessen: Aufgrund dessen, dass du schon lebenslang fest verwurzelt in Eschwege bist. Die Menschen kennen dich, was sichtbar wird, wenn man mit dir durch die Stadt läuft. Wie ist das Feedback in der Stadt auf deine Kandidatur?
Jochen Grüning: Es gab positive und negative Stimmen. Erfreulich natürlich, dass die positiven Stimmen deutlich in der Überhand sind. Ich hatte ehrlich gesagt mit weit mehr Gegenwind gerechnet. Der ganze Wahlkampf ist in jedem Fall eine erlebnisreiche Reise. Ich hätte niemals gedacht, wie viel unterschiedliche Perspektiven ich dadurch kennenlerne, Dabei kam mir natürlich entgegen, dass ich schon immer mittendrin statt nur dabei bin. Ich bin seit 3 Jahrzehnten im Städtepartnerschaftsverein, im Kirchenvorstand und in vielen weiteren Vereinen engagiert.
Netzwerk Nordhessen: Wie ist das Verhältnis unter den Kandidaten?
Jochen Grüning: Sehr gut und wertschätzend.
Netzwerk Nordhessen: Eine Frage, die mich persönlich brennend interessiert…
Als Kandidat der Freien Wähler begleiten dich meiner Ansicht nach ein Joker und eine Niete im Wahlkampf, um es mal salopp auszudrücken. Dein Joker ist sicherlich eure Landrätin Nicole Rathgeber, die überaus sympathisch, engagiert und kompetent erscheint. Aber auf der anderen Seite schwebt der Name Aiwanger wie ein Fluch durch deine Partei.
Darüber, dass der Werra-Meißner-Kreis mit Frau Rathgeber, nach dem hochangesehenen Vorgänger Stefan Reuß, meines Erachtens erneut einen Volltreffer in der Kreisverwaltung gelandet hat, spukt Aiwanger als bekanntestes Gesicht durch die Medien und muss doch jedem Freien Wähler tiefste Falten auf die Stirn treiben. Man könnte zynisch argumentieren, dass er Demokrat/innen aus der Partei vertreibt, im Umkehrschluss aber Potential der AfD abschöpft. Wie siehst du das?
Jochen Grüning: Nicole Rathgeber habe ich selber bei der Landratswahl unterstützt. Sie ist ein Glücksfall für Eschwege und den Werra Meißner Kreis. Das Wesen der Freien Wähler ist ja, dass wir nicht Weisungen von oben verfolgen oder an Parteiideologien gebunden sind. Außerdem geht es mir rein um unsere Region.
Netzwerk Nordhessen: Du bist ja nicht nur bei uns im Netzwerk Nordhessen, sondern auch in zahlreichen weiteren Gemeinschaften seit vielen Jahren aktiv. Braucht unsere Gesellschaft eigentlich Netzwerke?
Jochen Grüning: Ja! Selbstverständlich. Dadurch ergeben sich immer wieder neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das Verständnis zwischen Wirtschaft und Politik wächst, wir erweitern unseren Horizont und am Ende hat jede/r einen Mehrwert. Dadurch sind übrigens auch schon einige langjährige Freundschaften, auch zu Kulturschaffenden entstanden
Kürzlich bei unserem Wahltheater sind z.B. Stolle und Nicole Jukic vom Netzwerk Nordhessen aufgetreten. Und wie immer, hat Andreas Weber hat die Fotos gemacht.
Netzwerk Nordhessen: Hast du ein Programm und Angebote für Kinder und Jugendliche?
Jochen Grüning: Ja, wir haben ein Konzept entwickelt um mehr Angebote für Kinder von 6-13 Jahren anbieten zu können, dem Jugendforum wollen wir zu relevanten Themen ein Rederecht in der Stadtverordnetenversammlung einräumen, sofern die Versammlung das mittträgt. Ich könnte mir auch gut ein Kinderparlament mit eigenen Kinder-Bürgermeister/in vorstellen. Ähnliches wird bereits mit Erfolg in Eisennach praktiziert.
Netzwerk Nordhessen: Kommen wir zu einem anderen Thema. Wenn ich an Eschwege denke, fällt mir zuallererst das Open Flair ein. Mittlerweile eine Institution und fest verankert im Tourneeplan namhafter Bands.
Auch ihr Eschweger hattet ja mit den Bates eine sehr bekannte Band, die sogar in unserer Mall of Fame geehrt wurde. Aktuell läuft im Theater TiF (Theater im Fridericianum) ein Musical mit dem Titel „Welcome to the Bates Motel“, welches außergewöhnlich gut ist, aber bei weitem nicht alle Fans und Interessierte bespielen kann. Ein Freund von mir schlug vor, dieses Musical auf die Open Flair Bühne zu holen. Wäre das nicht ein schönes Wahlkampfgeschenk von dir an Eschwege im Allgemeinen und die zahlreichen Bates Fans im Besonderen?
Jochen Grüning: Gute Idee. Dafür werde ich mich mit aller Kraft einsetzen, zumal ich mit Zimbl während meiner Bundeswehrzeit in einem Zimmer war und die anderen Musiker der Band kenne.
Netzwerk Nordhessen: Das Zimbl bei der Bundeswehr war, schockiert mich jetzt ein wenig. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Aber gut, wieder etwas gelernt. Kommen wir abschließend zu unserer Schnellfragerunde, mit der Bitte um kurze Antworten.
Bayern München oder Eintracht Frankfurt?
Jochen Grüning: Die Frage kann ich leicht beantworten. Die Eintracht! Ich bin im Eschweger Eintracht Fanclub mit über 160 Mitgliedern.
Netzwerk Nordhessen: Dein Lieblingsessen?
Jochen Grüning: Krautshäubchen mit Senfsoße
Netzwerk Nordhessen: Dein Lieblingsfilm?
Jochen Grüning: Sissy und Bodyguard
Netzwerk Nordhessen: Deine Lieblingsmusiker?
Jochen Grüning: Luther Vandross, Schiller
Netzwerk Nordhessen: Die größte Persönlichkeit für dich?
Jochen Grüning: Albert Einstein
Netzwerk Nordhessen: Obama oder Trump? Jochen Grüning: Obama
Netzwerk Nordhessen: Dein liebstes Urlaubziel?
Jochen Grüning: Außerhalb Eschwege ist das die Toscana.
Netzwerk Nordhessen: Sollte der Deutsche Fußballbund an der bevorstehenden WM teilnehmen?
Jochen Grüning: Im Moment würde ich eher Nein sagen. Mir gefallen die Machenschaften eines Herrn Infantino in Verbindung mit Trump gar nicht. Die Politik und die Finanzwirtschaft sollte sich da viel mehr raushalten.
Netzwerk Nordhessen: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Wahl.





