Gestern traf ich mich mit Alexander Wild, Inhaber einer Bezirksdirektion der Gothaer, Vorstand der City Kaufleute und Gründer des Cultural Concept®.

Auch wenn wir in manchen Dingen unterschiedlicher Ansicht sind, eint uns doch das gemeinsame Ziel, einen Beitrag für ein besseres Kassel bzw. Nordhessen leisten zu wollen. Die Treffen und Gespräche mit Alexander sind immer sehr angenehm und zielgerichtet.

Ich würde sagen, Alexander Wild verkörpert das, was unserer Gesellschaft so sehr fehlt. Er ist ein Macher, mit einem klaren Ziel vor Augen. Er redet nicht viel, sondern handelt. Seit Jahren legt er mit den City Kaufleuten den Finger in die innerstädtischen Wunden, hat Visionen und liefert konstruktive Vorschläge für Verbesserungen.

Mir war klar, dass ich zu Beginn unseres Gespräches auch einen Finger in eine Wunde legen muss. Die Wunde heißt Werder Bremen. Der Lieblingsclub von Alexander, der akut abstiegsbedroht ist und ihm tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treibt…

Mehr über Cultural Concept® erfahrt ihr am kommenden Donnerstag ab 18.30 bei unserem Netzwerktreffen im Filmpalast.

 

Netzwerk Nordhessen: Hallo Alexander, die betreibst erfolgreich eine Bezirksdirektion der Gothaer Versicherung, bist Geschäftsführer der City Kaufleute und bist seit geraumer Zeit mit einem neuen, sehr spannenden Projekt, dem Cultural Concept® am Start. Wir kriegst du das alles unter einen Hut?

Alexander Wild: Wenn man lebt wie ich es tue, arbeitet man eigentlich immer. Ich habe feste Fenster für meine Verwaltungsaufgaben und Dinge, die einfach regelmäßig erledigt werden müssen. Insbesondere für meine Versicherungsagentur, von der ich primär lebe, die mir meinen Lebensunterhalt finanziert.

Grundsätzlich sehe ich meine Aufgaben darin, nicht im Unternehmen zu arbeiten, sondern am Unternehmen. Bei Cultural Concept® werden die Aufgaben immer mehr und anspruchsvoller, bei den Citykaufleuten sind wir ein Team und bewältigen damit unsere Herausforderungen. Aber das gilt für alle drei Bereiche. Die Menschen, die mit mir im Team arbeiten, machen es erst möglich.

Netzwerk Nordhessen: Ich denke, in deiner Versicherungsagentur hast du ein gutes Team, welches dir den Rücken freihält. Wenn ich mir hingegen die Citykaufleute anschaue, kann ich mir vorstellen, dass du mit ähnlich vielen Sorgenfalten wie ich in meiner Aufgabe fürs Netzwerk Nordhessen durch die Stadt läufst. Wie siehst du die Entwicklung in der Stadt? Leerstände, die üblichen Ketten die keiner braucht außer vielleicht den Vermietern, Menschen, die darauf angewiesen sind, Geld für ihren Lebensunterhalt in Form von Pfand in Mülleimern zu suchen, die Entwicklung der Galerien und so weiter?

Alexander Wild: Es ist ein Transformationsprozess. Online funktioniert natürlich in der heutigen Zeit gut – auch lokale Händler sind teilweise recht erfolgreich.

Ich glaube aber, den stationären Handel wird es immer geben. Er wird sich jedoch an die neuen Gegebenheiten und Herausforderungen anpassen müssen.

Ich will dir ein Beispiel nennen. Früher ging man in die Stadt, weil man einen blauen Pullover mit rotem Streifen kaufen wollte. Hat man diesen nicht in der gewünschten Größe oder Farbkonstellation bekommen, nahm man halt einen grünen Pullover mit schwarzen Streifen. Das funktioniert so heute nicht mehr. Der Kunde kauft dann halt online, kann weltweit suchen und zudem das günstigste Angebot wählen. Heute ist auch für den lokalen Einzelhandel der weltweite Onlinemarkt der Mitbewerber.

Netzwerk Nordhessen: Ihr von den Citykaufleuten plädiert, ebenso wie wir vom Netzwerk Nordhessen, immer und immer wieder fürs regionale Handeln und Einkaufen, aber angesichts des Branchenmix in der Stadt, gehen uns zunehmend die Argumente gegenüber den Online Käufern aus. Was tun?

Alexander Wild: Da gibt es viele Stellschrauben. Auf nicht alle hat der Handel Einfluss. Auf manches aber schon. Wenn man schon aufgrund Personal- und Energiekosten, höheren Mieten usw. im Preisgefüge nicht mit dem Onlinehandel mithalten kann, muss man nach Feldern suchen, in denen man einfach besser ist. Zuallererst fällt mir der Dienstleistungssektor ein. Eine Typberatung ist online nur schwer möglich, beim Möbelkauf wird auch kein Onlinehändler rauskommen und mit Mustern und Maßen behilflich sein. Über den Preis wird man den Onlinehandel nicht besiegen können.

Netzwerk Nordhessen: Was erwartest du seitens der Stadt? Welche Rahmenbedingungen können zur Verbesserung der Situation beitragen?

Alexander Wild: Wenn man die Voraussetzungen der Innenstadthändler mit denen der Shopping Malls wie DEZ oder Ratio vergleicht, sind natürlich die Parkgebühren ein enormes Handicap.

Auch der zunehmende Leerstand macht es den verblieben Händlern natürlich schwer, weil die Attraktivität der Innenstadt leidet. Ich denke, die Stadt sollte Anreize für den Einzelhandel schaffen und evtl. sogar Mieten subventionieren sowie Anreize für die Bevölkerung für einen Innenstadtbesuch schaffen.

Netzwerk Nordhessen: Kommen wir zu deinem neusten Projekt, den Cultutral Concept®. Was verbirgt sich dahinter?

Alexander Wild: Es geht um die Entwicklung einer Unternehmenskultur. Während viele Unternehmen sehr genau wissen wie sie nach Außen agieren, verlässt man sich im inneren des Betriebes sehr oft auf eigene Erfahrungen und Bauchgefühle. Hier setzen wir an, weil wir überzeugt sind, mit Cultural Concept die Leistungsbereitschaft zu fördern, einhergehend mit einer stärkeren Identifikation mit dem Unternehmen. Im Grunde, was die Bilanz für die Zahlen ist das Cultural Concept® für die Kultur.

Netzwerk Nordhessen: Du gehst damit in Firmen und zeigst neue Wege im betrieblichen Miteinander auf. So zumindest habe ich deinen Vortrag zum Cultural Concept® aufgenommen. Wie erfahren Unternehmer/innen von deinem Projekt.

Alexander Wild: Sehr viel geschieht über Mund-zu-Mund Propaganda. Auch die individuelle Ansprache spielt eine Rolle. Wir beraten viele Unternehmen, vermitteln Informationen über Events oder Website.

(Anmerkung des Verfassers: Es gibt ein sehr gutes Buch von Alexander Wild zum Thema Cultural Concept®, „Cultural Concept- Next level for your business, auf der Website zu bestellen).

Netzwerk Nordhessen: Was ist dein langfristiges Ziel mit dem Cultural Concept®?

Alexander Wild: Aktuell sind wir primär noch in Kassel und Nordhessen aktiv. Das ganze Vorhaben soll langsam und organisch wachsen. Ich bin überzeugt davon, dass Cultural Concept® für jedes Unternehmen einen Mehrwert bietet. Die Ressourcen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und gewinnbringend einzusetzen ist die Herausforderung. Dabei richten wir uns an alle Mitarbeitenden, wie z.B. Menschen mit klaren Wertevorstellungen und die „Generation Z“, die sich nicht mehr primär von einer Gehaltserhöhung locken lässt.

Mein Leitsatz lautet: Kultur frisst Strategie zum Frühstück, deshalb ist es notwendig, kulturelle Rahmenbedingungen zu schaffen.

Netzwerk Nordhessen: Es scheint berechtigterweise anzukommen und entwickelt sich offensichtlich zu einer Marke. Ich kann mir vorstellen, dass viel Zeit, Geld, Manpower und Kreativität gefordert sind. Machst du das alles allein, oder hast du ein Team?

Alexander Wild: Aktuell sind wir zu fünft. Wir wollen organisch wachsen und lehnen zumindest derzeit die Zusammenarbeit mit weiteren, externen Coaches ab.

Netzwerk Nordhessen: Zum Abschluss noch eine kleine Fragerunde mit der Bitte um eine kurze Antwort. Was besorgt dich mehr. Der Zustand des Kasseler Innenstadt oder der von Werder Bremen?

Alexander Wild: Die Lage meines Vereins Werder Bremen!

Netzwerk Nordhessen: Es finden zeitgleich drei wichtige Spiele der MT Melsungen, der EC Kassel Huskies und des KSV Hessen Kassel statt. Wo trifft man dich an? In der Probonio Arena, der Messehalle oder im Auestadion?

Alexander Wild: Beim KSV im Auestadion

Netzwerk Nordhessen: Du agierst weitsichtig und bist sozial engagiert. Was rätst du einem jungen Menschen, der aus der Schule kommt und als Berufswunsch Influencer nennt?

Alexander Wild: Ich würde ihm sagen, dass jedes Ziel, jeder Wunsch zur eigenen Entfaltung völlig ok ist. Man sollte jedoch eine klare Strategie dabei haben und seine Schwerpunkte klar definieren.

Netzwerk Nordhessen: Sollte man Social Media für Kinder/Jugendliche bis 14 Jahren verbieten?

Alexander Wild: Ich denke Ja

Netzwerk Nordhessen: Du darfst das Setup für ein Open Air Konzert am Friedrichsplatz mit drei Bands oder Künstlern bestimmen. Wer tritt auf?

Alexander Wild: Die Dixie Chicks, Luke Combs und Dr. Dre.

Netzwerk Nordhessen: Wie siehst Du die Kasseler Innenstadt in 10 Jahren?

Alexander Wild: Mehr Gastronomie, mehr Events, mehr Treffpunkt als Ort des Konsums.

Netzwerk Nordhessen: Du bekommst einen Gutschein nach Wahl für ein Einzelhandelsgeschäft geschenkt. Wo löst du diesen ein?

Alexander Wild: Ich würde einen Kassel-Gutschein nehmen und ihn gleichmäßig auf viele Geschäfte verteilen.

Netzwerk Nordhessen: Abschließend. Welches ist dein Lieblingslokal in der Region und was ist dein Lieblingsort?

Alexander Wild: Ich esse gern indisch, aber wir haben so viel gute Gastronomie in Kassel und Nordhessen, dass ich die Frage gar nicht so einfach beantworten kann.