Mehr PS fürs Sponsoring – aber bitte in die richtige Richtung
Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands der Volkswagen AG,
wir, eine regionale Initiative mit dem Namen „Netzwerk Nordhessen“, würden uns freuen und wären Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie uns einen kurzen Augenblick Ihrer Aufmerk-samkeit schenken.
Als Einleitung der folgenden Zeilen möchten wir Ihnen unsere Ansicht mitteilen, dass das Wohl des Konzerns, einhergehend mit einer stabilen Auftragslage und der Sicherheit der Arbeits-plätze an den verschiedenen Standorten, über allem steht.
Wir wissen selbstverständlich, dass der Industriestandort Deutschland durch Kriege und sonstige globale Ereignisse gefährdet ist und Einsparungen an vielen Stellen unabdingbar sind. Wir werden vermutlich einer Ansicht sein, dass sich Kürzungen in den verschiedensten Bereichen nicht vermeiden lassen – gerade auch beim Sportsponsoring. Dennoch glauben wir nicht, dass ein Konzern wie die Volkswagen AG von nun an aufhört, den Sport zu fördern und damit zu werben.
Nun aber zu unserem Thema:
Zunächst einmal: Respekt. Sie bauen Autos, die zuverlässig fahren, weltweit (auch beim Verfasser dieser Zeilen) geschätzt werden und – je nach Modell – sogar Emotionen auslösen. Genau an diesem letzten Punkt möchten wir anknüpfen. Es geht um Emotionen. Um Herz-klopfen. Um das, was man im Fußball landläufig „Stimmung“ nennt.
Und damit sind wir beim VfL Wolfsburg.
Ihr „Werksteam“ ist gerade in die 2. Bundesliga abgestiegen. Das ist sportlich bedauerlich, aber wirtschaftlich vermutlich verkraftbar – schließlich ist der VfL so solide finanziert, dass man meinen könnte, Tabellenplätze seien eher optionales Zubehör.
Weniger optional hingegen scheint die Stimmung im Stadion: Sie ist … nun ja … sagen wir zurückhaltend. Ein Elektroauto im Leerlauf wirkt dagegen wie ein Heavy-Metal-Konzert.
Wir wissen natürlich, dass es sich bei der Geschichte der beiden Studentinnen aus einer Braunschweiger Wohngemeinschaft, in der regelmäßig lautstark gefeiert wird, offensichtlich um eine Satire handelt. Es stimmt nicht, dass sich diese beiden Damen eine Dauerkarte des VfL gekauft haben, um sich in der Volkswagen Arena in Ruhe auf ihr Examen vorbereiten zu können …
Umfragen zeigen regelmäßig: Der VfL Wolfsburg gehört zu den unbeliebtesten Vereinen im deutschen Profifußball. Das ist keine Bosheit, sondern ein Phänomen. Ein Verein, der für viele Fans
schlicht für „nichts“ steht – außer vielleicht für solide Mittelmäßigkeit mit Werksgarantie. Auswärtsfahrten? Eher überschaubar. Heimspiele? Akustisch oft näher an einer Bibliothek als an einem Hexenkessel.
Nun erlauben Sie uns einen Perspektivwechsel.
Etwa 200 Kilometer südlich, ebenfalls in einer Region mit Volkswagen-Bezug, spielt der KSV Hessen Kassel. Ein Traditionsverein mit großer Tradition, großem Einzugsgebiet, leidenschaft-licher Anhängerschaft und – man höre und staune – echtem Fußballfieber.
Ein kleines Beispiel: ein Freundschaftsspiel gegen den FC Schalke 04 am 01.08.26. Kein Pokalfinale, kein Aufstiegskrimi. Ein Freundschaftsspiel! Ergebnis? Über 10.000 verkaufte Tickets am ersten Tag. Sechs Wochen vor Anpfiff: ausverkauft mit 18.500 Zuschauern.
Das ist keine Marketingkampagne. Das ist Begeisterung.
Und jetzt stellen Sie sich vor, was möglich wäre, wenn ein Bruchteil der Mittel, die aktuell in Wolfsburg eingesetzt werden, in Kassel ankäme. Kein Milliardenprojekt, kein Prestigeobjekt – sondern gezielte Förderung eines Vereins mit echter Basis. Der KSV Hessen Kassel könnte sich ernsthaft in Richtung 3. Liga entwickeln. Und, Hand aufs Herz: Es ist nicht völlig abwegig, dass dort mehr Menschen im Stadion stehen würden als beim VfL Wolfsburg in der 2. Bundes-liga.
Wir sprechen hier nicht von einem „Entweder-oder“, sondern von einem „Warum eigentlich nicht sinnvoll ergänzen?“. Volkswagen steht für Innovation, für Fortschritt – und idealerweise auch für ein Gespür dafür, wo Energie wirklich entsteht.
Denn genau darum geht es: Energie. Leidenschaft. Identifikation. Dinge, die man nicht einfach einkaufen kann – die aber in Kassel bereits vorhanden sind.
Vielleicht ist es an der Zeit, das Sponsoring-Konzept nicht nur nach Tabellenplätzen oder Traditionen der letzten Jahrzehnte auszurichten, sondern nach dem, was Fußball im Kern aus-macht: Menschen, die kommen. Die singen. Die mitfiebern. Die bleiben.
Kurz gesagt: Fans.
Wir laden Sie herzlich ein, sich selbst ein Bild zu machen. Besuchen Sie Kassel. Setzen Sie sich ins Stadion. Hören Sie zu. Spüren Sie, was dort passiert. Es könnte sich anfühlen wie eine Probefahrt – nur diesmal nicht auf der Straße, sondern mitten im Herzen des Spiels.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie dabei ein Projekt, das nicht nur wirtschaftlich sinnvoll ist, sondern sich auch richtig gut anfühlt.
Wir sichern Ihnen im Umkehrschluss zu, dass wir an die Nordhessinnen und Nordhessen appellieren, Ihre Unterstützung für den Fußballstandort Kassel anzuerkennen und beim nächsten Autokauf wohlwollend zu berücksichtigen.
Mit sportlichen Grüßen und einem Augenzwinkern
Netzwerk Nordhessen























